Hotel Mövenpick

Willi Gillmann

Gerda Landgraf

Frau Puszcz und Siegfried

Dom St. Blasii

Link zum Zeitungsbericht Braunschweig Montag 28.10.2010

Bericht Willi Gillmann, Bürgerbrief Nr.78

Zwanzig Jahre Bund der Lebaer (BdL)

Nur die gemeinsame Bewältigung schafft die Voraussetzung für ein friedliches Miteinander.

Zur Mitgliederversammlung und gleichzeitig 20-Jahrfeier hatte der Vorsitzende des BdL nach Braunschweig eingeladen und 70 Teilnehmer, davon 46 Mitglieder, trafen sich vom 11. bis 13. Juni 2010 im Hotel Mövenpick. Der Freitag begann mit einer gemütlichen Kaffeetafel, vielem Erzählen und Betrachten von Fotos und abends kamen die Lebaer Gäste dazu.

Samstag nach dem Frühstück begrüßte der Vorsitzende, Siegfried Greinke, alle und sagte Grüße von Bürgermeister Kaidas aus Hohnstorf/Elbe. Zwischen Hohnstorf und Leba besteht ein Vertrag für Freundschaft und Zusammenarbeit. Verlas Grußworte von Mitgliedern, wovon die Grußbotschaft von Gerda und Joachim Oblau und Anneliese Kumitz aus Hannover hervorzuheben ist, die u.a. sagten: " Viele haben erst durch die Arbeit des Bundes der Lebaer die Heimat kennen, lieben und schätzen gelernt. Vorrangig war und ist dabei das menschliche, freundliche Begegnen. Wir sind stolz darauf, dass dieses auch von den dort jetzt lebenden Lebianern anerkannt wird." Greinke hieß dann die Gäste willkommen und bat sie um ihre Grußworte.
Der Vorsitzende des Planungs-und Umweltausschusses, Ratsherr Reinhard Manlik, überbrachte die Grüße der Stadt Braunschweig und betonte die Wichtigkeit unserer heimatlichen Arbeit und Verbundenheit, verwies auf 1000 Jahre Geschichte der Löwenstadt Braunschweig, die sie zum historischen Zentrum der wichtigsten Industrieregion des Landes macht und sagte: "Kultur lebt von Vergangenheit."
Jan Kuzel, Vorsitzender des Rates der Stadt Leba begrüßte alle als unsere Freunde und überbrachte die Grüße der Bürgermeisterin Halina Klinska und des gesamten Stadtrates und sagte: " Auch in Leba begehen wir ein 20-jähriges Bestehen, nämlich das der Wende in der Politik in Polen. Die Stadt Leba bedankt sich dafür, dass der BdL der Stadt Max Pechstein näher gebracht hat und die Feuerwehr fast nur deutsche Fahrzeuge besitzt, dank Egon Ojowski; auch für die Gedenkstätten in Leba und Lebafelde mein Dank" und überreichte ein Blumengebinde und eine Urkunde. Frau Krystyna Puszcz sagte Grüße und Wünsche für die Zukunft und überreichte eine Gratulationsmappe und ein Bild vom "Blauen Ländchen". Alles wurde von Ilona Rzeppa, auch Mitglied des BdL, übersetzt.
Dann bedankte sich Siegfried Greinke für die Grußworte und ging in seiner Festrede zunächst auf den Gründungstag des BdL, dem 17. Juni 1990 in Münster ein, wo sich ca. 150 frühere Einwohner von Leba trafen. Ulrich Dorow war der erste Vorsitzende und ab 1998 Egon Ojowski bis 2004. Beide sind jetzt Ehrenmitglieder. Damals kamen auch 15 ehemalige Lebaer aus der DDR. Die von da ab alle zwei Jahre stattfindenden Mitgliedertreffen dienten zum Kennenlernen, Wiedersehen, Aufarbeitung des Erlebten zum Gedenken an die Heimat. Das erste Verbindungsorgan, der Bürgerbrief, erschien bereits am 15. Dezember 1990. Ulrich Dorow gelang es auch 1990 Kontakte zur Stadtverwaltung Leba und zum ersten demokratisch gewählten Bürgermeister, Kaziemierz Kleina, herzustellen, einem aufgeschlossenen, kooperationswilligen Gesprächspartner. Es entwickelten sich auf offizieller und privater Basis viele Freundschaften. „Alle dienten dazu, im Sinne der Völkerverständigung die Bindungen zwischen den alten und neuen Lebaern zu fördern", so Siegfried Greinke und führte weiter aus. Dann folgte im Juni 1993 die erste offizielle Mitglieder-Busreise nach Leba. Dort dann auch der erste ökumenische Gottesdienst in unserer Kirche, der zu einem festen Bestandteil der Reisen mit der polnischen Bevölkerung wurde. Von Anfang an standen zwei Dolmetscherinnen, Frau Irena Dabrowska und Frau Ilona Rzeppa zur Verfügung, die auch beim Herstellen von Verbindungen sehr behilflich waren. Siegfried Greinke weiter: " Mit zunächst vorsichtiger Annäherung, dann aber immer vertrauter, konnten viele ihre Elternhäuser besuchen und die Stätten der Kindheit aufsuchen. Über das, was in Pommern geschah, konnte gesprochen werden, zur Bewältigung der Vergangenheit.

Nur die gemeinsame Bewältigung schafft die Voraussetzung für ein friedliches Miteinander.

So hat der BdL den Slogan "Leba, das verbindet uns, solange wir leben", für Deutsche und Polen zu einem Auftrag gemacht." Ab 1998 schuf Egon Ojowski dann weitere Verbindungen und Kontakte. Als Feuerwehrfachmann war sein Anliegen natürlich die Unterstützung der Lebaer Feuerwehr. Dank seiner Initiative besitzt die Lebaer Feuerwehr jetzt mehrere deutsche Feuerwehrfahrzeuge. Im Jahre 2001 fuhren bereits 180 Personen gleichzeitig mit vier Bussen nach Leba in das inzwischen zum Stammlokal gewordene Hotel Wodnik unter der Leitung von Frau Krystyna Puszcz. Ein Vertrag für Freundschaft und Zusammenarbeit wurde 1999 zwischen der Stadt Leba und der Gemeinde Hohnstorf/Elbe unterzeichnet. Der BdL unterstützte viele Kontakte zwischen den Feuerwehren, mehrmals einen Schüleraustausch und Vermittlung von Praktikanten in verschiedenen Bereichen zwischen Hohnstorf und Leba. Und weiter sagte Siegfried Greinke: " Aus den anfänglich 150 Mitgliedern waren nun 400 geworden. Es war zu merken, dass die jüngere Generation -nicht mehr in Leba geboren, aber viel von den Erzählungen der Eltern gespeichert- sich für die Heimat ihrer Vorfahren interessierte. Zu dieser Generation, zwar noch 1944 in Leba geboren, -aber ein Jahr später floh meine Mutter mit mir in den Westen- gehöre ich, der im Jahre 2004 auf einer Mitgliederversammlung in Bonn das Amt des 1. Vorsitzenden übernahm. Mein Anliegen war, die Arbeit im Sinne von den bisherigen Vorständen weiterzuführen. Die Kontakte waren geschaffen, Polen gehörte kurz darauf zur EU, und es galt nun, auch andere Prioritäten zu finden. Unser altes Leba entwickelte sich zu einem modernen, von Polen und von Deutschen gern aufgesuchten polnischen Urlaubsort. Wir wollten jetzt dazu beitragen, die deutsche Vergangenheit nicht vergessen zu lassen. Es bestand bereits ein Gedenkstein auf dem ehemaligen deutschen Friedhof, der 1995 aufgestellt wurde. Auf dem Stein befindet sich die Inschrift "In Erinnerung an die evangelische Gemeinde" in drei Sprachen: kaschubisch, polnisch und deutsch unter dem lateinischen Leitspruch "Domine, dona nobis pacem (Herr, gib uns Frieden). Das Kriegerdenkmal mit der Inschrift der gefallenen Soldaten des 1. Weltkrieges wurde im Jahre 2001 von Deutschen und Polen restauriert und auf dem Kirchplatz wieder aufgestellt. Auf Vorschlag der jetzigen Bürgermeisterin, Halina Klinska, wurden im Jahre 2003 am Navigationskreuz an der Westmole die Namen von 63 ertrunkenen Lebaern angebracht. Im Jahr darauf war es unser Anliegen, das älteste deutsche Haus, gebaut 1723, des Kaufmanns Johann Mampe in der Hauptstraße hervorzuheben, und es wurde uns genehmigt, eine Gedenktafel anzubringen." So ließ er weitere Begebenheiten Revue passieren: Die Herstellung des Lebafelder Friedhofs zur Gedenkstätte; Nachbau des alten Votivschiffes in der Kirche, getauft auf den Namen "Lebemunde" durch Bürgermeisterin Halina Klinska; Ehrenbürgerschaft für Ulrich Dorow und Egon Ojowski im Jahre 2007 anlässlich der Feier zum 650-jährigen Stadtjubiläum; Einrichtung des "Leba-Archivs" durch Ulrich Dorow, jetzt zum großen Teil an das Pommersche Landesmuseum in Greifswald abgegeben; Beiträge für den Bürgerbrief durch Ulrich Dorow, Kurt Bohl und Willi Gillmann. Abschließend sagte Siegfried Greinke: "Ich möchte noch anmerken, dass in 20 Jahren Pionierarbeit geleistet wurde, aber das merklich andere Zeiten angebrochen sind, jüngere aktive oder passive Mitglieder sind kaum noch für unsere Arbeit zu gewinnen. Sie kennen bereits das vereinigte Europa und machen – wie selbstverständlich - Urlaub in Polen oder sie studieren an polnischen Universitäten. Das ist gut so. Damit ist aber unser Anliegen, einen Austausch zu fördern, fast zum Erliegen gekommen. Andere Organisationen - auch kommerzielle - haben diese Aufgaben übernommen. Wir wollen die deutsche Vergangenheit nicht vergessen. Für uns ist es etwas ganz Besonderes, Leba zu besuchen. Es gilt noch einiges Historisches aufzuarbeiten. Es heißt, nichts ist endgültig geregelt, was nicht gerecht geregelt ist. Wir haben unseren Bund gegründet zur Wahrung unserer Identität als Nachfahren vieler Generationen deutscher Menschen und wollen entsprechend handeln. Es geht uns aber auch um das Morgen, um die Zukunft, um eine Gemeinsamkeit in einem friedlichen und demokratischen Europa.- Ich danke allen Mitgliedern, den aktiven und passiven, allen Mitwirkenden am Bund der Lebaer, allen, die Verantwortung übernahmen, allen die dazu beitrugen und beitragen- in Polen wie in Deutschland -, im Denken und Handeln ein harmonisches Miteinander zu finden. Danke schön!

Nach einer kurzen Pause eröffnete Siegfried Greinke dann die Mitgliederversammlung. Mit einem ehrenden Gedenken wurde der seit dem letzten Treffen verstorbenen Mitglieder gedacht, wozu sich alle während der Namensnennung von ihren Plätzen erhoben. Dann folgte der Tätigkeitsbericht von Siegfried Greinke. -Restarbeiten auf dem Lebafelder Friedhof; Planung Lebareise 2009; Pomuchelfest am 7.12.2008 in Leba mit einem eigenen Informations- und Kochstand; Fahrt mit dem Feuerwehrmusikzug Hoisdorf ( bei Hamburg) und Planung mehrerer Konzerte in Leba; Lebafahrt 2009; Planung und Organisation des Lebatreffens 2010; Teilnahme am Internationalen Tag des Buches am 23.4.2009 und Vortrag dort über Max Pechstein von Siegfried Greinke; Klönschnack am Kellersee in Eutin am 11.10.2009 mit 52 Teilnehmern, sonst nur bis 35, und Willi Börkes Mandelhörnchen nicht reichten.- Als Kassenwartin erstattete Claudia Fredrich den Kassenbericht. Sie hat wieder einmal bewiesen, dass es nicht nur hilfreich, sondern einfach lebensnotwendig ist die Finanzen in Ordnung zu halten und das ist ihr ganz persönliches Qualitätsmerkmal. Dafür gilt ihr ein besonderer Dank. Die Kassenprüfer, Gisela Frobel als Sprecherin, bescheinigten ihr eine saubere, akribische Kassenführung und bat insgesamt um Entlastung, die auch ohne Gegenstimme ausgesprochen wurde. Die nächste Lebafahrt soll in der Zeit vom 26.5. bis 4.6.2011 sein, wofür Egon Ojowski die Organisation übernommen hat. Das nächste Treffen (Mitgliederversammlung) wird von Andrea Mach und Karola Oeverdieck vom 1. bis 3.6.2012 in Neustadt/Holstein ausgerichtet.

Nach den gesungenen fünf Strophen des Pommernliedes schloss der Vorsitzende die Versammlung mit Dank an alle Teilnehmer. Für die verhinderte Wissenschaftlerin, Frau Dr. Angelika Klein vomLandesmuseum Braunschweig hielt Herr Marco Kunze am Nachmittag einen interessanten Vortrag über die Löwenstadt Braunschweig, von der Gründung bis heute zu seinen. rd. 250-tausend Einwohnern. Egon Ojowski zeigte beeindruckende Dias aus verschiedenen Jahreszeiten der sich laufend verändernden Struktur der Lontzkedüne und eine weitere Bildpräsentation von Personen Lebas aus alten Zeiten.

Nach einem Sektempfang war das vorzügliche Abendbuffet eröffnet. Der Alleinunterhalter Jochen Bliss spielte dann mit Akkordeon und Orgel zum Tanz auf, wobei ihn Siegfried Greinke zeitweilig mit der Gitarre begleitete. Von den Trompetensolos von Bliss begeisterte besonders "La Paloma". Besser konnte dieser schöne Tag nicht ausklingen.

Der Sonntag versammelte alle zum Gottesdienst im Dom St. Blasii. Dompfarrer Christian Kohn erwähnte in seiner Begrüßung die Teilnehmer vom Bund der Lebaer, die hier in Braunschweig ihr Heimattreffen anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Vereinigung feiern. In seiner Predigt brachte er zum Ausdruck, dass Zuhause überall ist; auch in Leba. Nach dem Gottesdienst fanden sich alle zu einem Gruppenfoto auf dem Burgplatz vor dem "Braunschweiger Löwen" ein. Danach war man noch einige Zeit im Hotel-Foyer zusammen, im Hotel, in dem wir sehr gut untergebracht waren und hervorragend bewirtet wurden. Auf Wiedersehen in Neustadt.